Von Grenada nach Tobago

Nachdem der Motor wieder lief, machte ich mich daran, das Unterwasserschiff zu säubern. Nach über einem Monat Liegezeit wachsen in den warmen Gewässern recht schnell die Pocken am Schiffsrumpf. Bewaffnet mit Tauchermaske, Schnorchel und Plastikspachtel ging es auf Tauchstation.

Auch die Ankerkette war nach gut einem Monat zugewachsen. Diese machte ich beim Raufholen sauber. Dadurch verlängerte sich das Manöver, den Anker heraufzuziehen, um gut 15 Minuten.

Die Kette war nach gut einem Monat grün vor lauter Algen.

Zunächst ging es Richtung Norden zum Black Bay Point. Dieser Ankerplatz war mitten in der Natur und nebst mir genossen noch ein paar weitere Schiffe die Ruhe.

Die steile Klippe bot sehr guten Schutz beim Ankern.

Neben dem Strand gab es ein Korallenriff, in dem ich sogar einen Rochen beobachten konnte.

Ein paar Tage später segelte ich in die Tyrell Bay auf Carriacou. Die Insel Carriacou gehört noch zu Grenada und liegt etwa 20 Seemeile nördlich von der Hauptinsel. Das Wetter versprach gut zu werden, dennoch gab es wie immer im Lee der Insel die eine oder andere Überraschung aus der Wetterküche. Am Anfang war es nur bewölkt und der Wind kam aus Ostnordost. Ich segelte keine 20 Minuten, als ich die schwarzen Regenwolken eines Squalls sah. Ich band das 2. Reff ins Groß und verkleinerte die Genua. Als ich gerade fertig war, ging es auch schon los. 25 Knoten Wind und ein heftiger Regen schlugen mir entgegen, sodass ich in kurzer Zeit komplett nass war. Als der Squall vorbei war, fiel der Wind auf 10 Knoten herunter. Ich musste also wieder zum Mast und band beide Reffs raus. Das Spielchen musste ich noch zweimal mitmachen, bis ich zwischen den beiden Inseln war. Hier war der Wind mit 18-22 Knoten konstant. Nach ein paar Stunden kam ich in der Tyrell Bay an.

Von der Tyrell Bay aus wollte ich nun nach Tobago fahren, daher schaute ich mir die Wetterprognosen für die nächsten Tage an. Es war mittlerweile schon Donnerstag und über das Wochenende sollte eine „Tropical Wave“ über die Insel ziehen. Dies bedeutet viel Wind, Welle und sehr viel Regen. Am Samstag regnete es so stark, dass ich die Nachbarschiffe nicht mehr sehen konnte. Für den kommenden Dienstag war Wind aus Nordosten angesagt. Das war genau der Wind, den ich brauchte, um mit einem direkten Kurs nach Tobago zu komen. Am folgenden Montag erledigte ich die Bürokratie beim Zoll und Immigrationsamt.

Am Dienstagmorgen um 11 Uhr ging es dann los. Der Wind kam gut und mit dem Strom lief ich mit gut 7 Knoten Fahrt Richtung Südosten. Für meine geplante Ankuftszeit am nächsten Morgen war diese Geschwindigkeit zu schnell. Als ich östlich der Inseln war, wollte ich die Segel reffen, um nicht zu früh anzukommen. Genau in diesem Moment fiel der Wind auf 10 Knoten runter und der Strom kippte auch. Ich musste also doch nicht reffen, um am nächsten Morgen in Tobago anzukommen.

Laut Vorhersage sollte in der Nacht der Wind auf 15-20 Knoten zulegen. Es kam allerdings ganz anders. Nach der Hälfte der Strecke ist vom Wind nicht mehr viel geblieben. Ich hatte nur noch 5 Knoten Wind und dieser kam auch noch aus dem Norden. Mit 5 Knoten achterlichen Wind konnte ich nicht segeln. Die Atlantik-Dünung ließ Serafina hin- und her schaukeln, so dass die Segel nur noch hin und her schlugen. Ich packte erstmal die Segel ein und schaltete den Motor an. Ich hatte noch Hoffnung, dass der Wetterbericht doch noch recht behält würde. Nach ein paar Stunden stimmte der Wetterbericht auch wieder. Der Wind kam mit 12 Knoten aus dem Süden. Allerdings war ich bereits in der Bucht von Charlotteville. Ich bin also die restlichen 40 Seemeilen unter Motor gefahren. Dies war der Härtetest für den Motor nach der Reparatur. Der Volov hatte über Nacht gute Arbeit geleistet. Er lieft sehr gut und ist nicht überhitzt.

Die Bucht von Charlotteville.