Mit dem Turbolader des Motors kannte ich mich nicht gut genug aus, um die Reparatur allein durchzuführen. Ich holte mir von einer Werft, die ein Volvo-Partner ist, einen Mechaniker. Ich bekam einen Termin für den Montag in der kommenden Woche und hatte etwas Zeit, um meine Liste der geplanten Bootsarbeiten zu verkleinern.
Am Montagmorgen holte ich den Mechaniker am Dinghy-Dock ab und wir schauten uns den Motor gemeinsam an. Der Mechaniker nahm den Turbolader auseinander, um zu schauen, ob die inneren Teile Schaden genommen haben. Alle Rädchen drehten sich im Turbolader, wie es sein sollte. Ich war schon mal erleichtert, dass der Turbolader während der Überhitzung nicht beschädigt wurde. Das wäre sonst sehr teuer geworden. Allerdings wurde beim laufenden Motor der Turbolader schon nach wenigen Minuten über 90 °C heiß. Die Kühlung des Motors funktionierte nicht korrekt. Der Wärmetauscher hingegen blieb eher kalt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist das Thermostat defekt. Da Volvo die Ersatzteile nicht mehr herstellt, bestellte ich einen neuen Thermostat im Internet, im „Aftermarket“. Im „Aftermarket“ bekommt man Ersatzteile für ältere Motorentypen. Die Ersatzteile sind lediglich nicht mehr von Volvo vertrieben. Meistens sind es die Zulieferer von Volvo selbst oder es sind alte Motorenteil, die refurbished wurde, die im „Aftermarkt“ angeboten werden. Ich bestellte auch eine neue Seewasserpumpe. Die alte Seewasserpumpe hat trotz Überholung immer noch getropft.
Um ein Paket für eine Yacht in Transit durch den Zoll zu bekommen, braucht man auf Grenada einen „Broker“. Über die Werft in der Prickly Bay bekam ich einen „Broker“ und auch eine Adresse, an die ich das Paket schicken konnte. Nach ein paar Tagen war das Paket in Grenada. Aber die Zollabwicklung fand nicht statt. Ich fragte mehrmals bei der Werft nach, warum es nicht vorwärts ging. Der „Broker“ wurde mehrfach kontaktiert und nach einer ganzen Woche war das Paket endlich in der Werft angekommen. Die Kosten für den „Broker“ waren dann auch noch so hoch, so dass sich die Ersparnis der Mehrwertsteuer nicht gelohnt hat. Nun ja, ich hatte endlich meine Ersatzteile und die Reparatur konnte beginnen.
Die Seewasserpumpe tauschte ich selber aus. Diese hatte ich schon ein paar Mal für die Überholung ein- und ausgebaut.

Als Nächstes nahm ich mir den Thermostat vor. Ich pumpte etwas Flüssigkeit aus dem inneren Kühlkreislauf, damit beim Auseinanderbauen nicht so viel Kühlflüssigkeit ausläuft. Zwei Schrauben später konnte ich den Deckel samt Thermostat vom Kühlrohr abziehen.

Ein kurzer Blick auf den Thermostat verriet mir sofort, warum dieser nicht mehr funktionierte. Die Feder ist aus der Halterung gerutscht. Das Öffnen und Schliessen war so nicht mehr möglich.

Mit einem Schraubenzieher und etwas Druck konnte ich die Feder wieder in die Mitte der Halterung zurückdrücken. Eventuell ging das alte Thermostat ja noch. Ich erhitzte einen Topf und tauchte beide Thermostate ein. Beide öffneten sich bei 74 °C wie angegeben. Ich hatte nun zwei funktionierende Thermostate an Bord.
Am nächsten Tag kam der Mechaniker. Er baute den neuen Thermostat ein und wir prüften die Temperatur des Turboladers und aller weiteren Teile des Motors. Auch das Abgas wurde kontrolliert, falls der Motor Kühlflüssigkeit oder Öl verbrennt. Der Motor konnte bei Last die Temperatur zwischen 70 °C und 80 °C halten. Bei knapp 2000 U/Min hörte man den Turbolader arbeiten. Alles lief, wie es sein sollte, und die Abgase zeigten auch keine Auffälligkeiten.
Bei der Überhitzung ist nur der Thermostat kaputtgegangen. Ich habe den Motor doch noch rechtzeitig abgeschaltet, bevor weitere Motorenteile beschädigt wurden. Der Tausch des Thermostats war ein voller Erfolg und die Kosten hielten sich in Grenzen. Wahrscheinlich hätte auch der reparierte Thermostat wiederverwendet werden können. Nachdem ich aber ein Neues bereits gekauft hatte, dient das alte Thermostat nun als Ersatzteil.
Rückblickend hätte ich den Mechaniker für die Reparatur nicht gebraucht. Aber die Erfahrung und die Expertise waren sehr hilfreich. So habe ich wieder etwas gelernt und bin mir nun sicher, dass der Motor wieder einwandfrei funktioniert.